ShopCo in der t3n Nr 48: Das nächste Einhorn kommt vom Rhein

Das Düsseldorfer Startup Shopco will den Einkauf im Internet radikal vereinfachen – mit einem universellen Warenkorb für alle Shops. Der größter Gegner? Niemand Geringeres als Amazon.

Wenn man Jay Habib zuhört, ist es nicht immer leicht, ihn zu verstehen. Während des Gesprächs redet der Jungunternehmer wie ein Wasserfall und nippt ständig an einer Flasche Club Mate. Der Mann steht unter Strom, auch, weil er mehr als nur Herzblut in seine Idee investiert hat. Um die Gründung von Shopco zu finanzieren, hat sich Habib vor ein paar Jahren mal mit einem privaten Kredit in sechsstelliger Höhe verschuldet.

Doch glaubt man ihm und seinem Mitgründer, dem IT-Experten Manuel Schoebel, wird sich das auf lange Sicht auszahlen. „Wenn wir alle für uns relevanten Umsatzkanäle zusammenrechnen, liegt das globale Marktpotenzial bei rund 100 Milliarden US-Dollar“, sagen die Shopco-Gründer. Das Startup aus Düsseldorf hat es mit seiner Idee vor allem auf einen Player in der Domäne des Onlinehandels abgesehen: Amazon.

Wie Pinterest, nur für Onlineshopper
Shopco will die Art und Weise, wie wir im Internet einkaufen, radikal vereinfachen. Habib und Schoebel haben eine Software entwickelt, die es Nutzern ermöglicht, jedes Produkt aus jedem Onlineshop in einen universellen Einkaufswagen zu packen. Alles funktioniert direkt im Browser: Ein entsprechender Button nistet sich nach der Installation dezent neben der Adresszeile ein und ist damit vergleichbar mit Diensten wie Pinterest. Mit dem Unterschied, dass mit Shopco keine Fotocollagen gespeichert, sondern shopübergreifend Einkäufe getätigt werden können.

Bislang ist das ein großes Problem. Habib spricht aus Erfahrung: Als der gelernte Wirtschaftsinformatiker vor vier Jahren versuchte, mehrere Produkte nach einem Preisvergleich in mehreren Onlineshops zu kaufen, wurde die virtuelle Shoppingtour schnell zum Nervfaktor. Der 33-Jährige musste sich jedes Mal aufs Neue als Kunde registrieren, immer wieder dieselben Daten in die Formulare eintippen. „Was für ein unfassbar dämlicher Prozess“, sagt Habib rückblickend.

Mit Shopco soll dieses Ärgernis ein Ende haben. Nutzer müssen sich nur noch einmalig mit all ihren Daten bei dem Dienst anmelden. Die Tipparbeit bei künftigen Bestellungen übernimmt dann die Software. Eine künstliche Intelligenz scannt den Artikel auf einer Shopseite, zieht sich die vom Nutzer hinterlegten Adress- und Zahlungsinformationen und platziert auf Knopfdruck eine Bestellung. Fertig.

„Nur Amazon kann uns gefährlich werden“
Neu ist die Idee von Shopco nicht. Das US-Startup Shoppable oder auch Paypal versuchen sich seit Jahren an einem universellen Warenkorb für das Netz. Echte Konkurrenz sieht Habib darin aber nicht. „Keine dieser Lösungen funktioniert ausnahmslos in jedem Shop“, sagt der Gründer. Dies liege an den Programmierschnittstellen, die Unternehmen bisher zur Verbreitung einer solchen Technologie an jeden Händler verkaufen müssen. Shopco hingegen müsse die Onlineshops nicht um Erlaubnis fragen. Eine technische und vertragliche Abstimmung sei wegen des hohen Automatisierungsgrads der Software nicht notwendig.

Habib und Mitgründer Schoebel hoffen, auf diese Weise zu einer Meta-Bestellmaschine für alle Onlineshops zu werden. Das soll auch kleinen Händlern neue Kunden bescheren. „Wenn sich ein Kunde in fremden Shops nicht mehr anmelden muss, kauft er öfter dort ein und nicht nur bei Amazon“, sagt Habib. In dem weltweit größten Onlinehändler sehen die Shopco-Gründer daher den einzigen Konkurrenten. „Amazon kann uns vielleicht mal gefährlich werden“, so Habib. Amazon habe ein riesiges Sortiment und außerdem eine patentierte One-Click-Bezahlschnittstelle, die sich bald auch in anderen Onlineshops verbreiten könnte.

Quelle tn3.news

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